[Übertrag aus dem alten Forum] Kopfhörer auf beim Keyboardkauf 
von Bernd G S. - Donnerstag, 11 Mai 2006, 08:35
*** Original 15.02.2006 13:18

Ich hatte gestern in einem Musikhaus zu tun und wurde dabei Zeuge eines Verkaufgesprächs, welches mir zu denken gab. Es brachte mich darauf meine Tipps für den Keyboardkauf zu erweitern.

Was geschah:

Der Kunde in diesem Musikhaus war ganz offenbar Anfänger. Er wollte sich sein erstes Keyboard kaufen und dabei nicht mehr als 200 Euro ausgeben. Er hatte ganz offensichtlich mit einem Yamaha PSR-E303 geliebäugelt. Das Yamaha PSR-E303 liegt preislich in dieser Klasse (also um die 200 Euro). Der Verkäufer war allerdings scheinbar ganz anderer Ansicht. Er wollte ihm unbedingt ein Yamaha PSR 295 (ca. 300 Euro) verkaufen. Seine Argumente gegenüber dem Neuling waren, dass das PSR-295 viel besser ausgestattet wäre, und wesentlich besser klänge.

Beides ist relativ gesehen falsch:

1. Sowohl das Yamaha PSR-E303 sowie das PSR-295 basieren auf die selbe Art der Klangerzeugung. Beide haben zum Teil sogar identische Sounds. Natürlich bietet das Yamaha PSR-295 mehr an Ausstattung (wäre schlimm wenn es nicht so wäre), es kostet auch nochmal 50% mehr als das PSR-E303. Im direkten Vergleich schneidet das PSR-E303 aber gar nicht so schlecht ab, als der Verkäufer zu vermitteln versuchte. So stehen im E303 fünf Sounds weniger zur Verfügung (also nicht die Welt) und 29 weniger Styles. Trotzdem bietet das PSR-E303 mit 106 Styles noch eine ganze Menge an Auswahl.

2. Das PSR-295 klingt nur auf den ersten Anschein besser als das PSR-E303. Weil preislich niedriger kalkuliert sind im E303 schlechtere und schwächere Lautsprecher verbaut als im PSR-295. Die Lautsprecher sind das schwächste Glied in jedem Keyboard. Je günstiger das Keyboard, umso billiger sind in der Regel die verbauten Lautsprecher. Und wo nichts durch kann, kann nichts rauskommen. Vergleichbar mit einem dicken Schlauch der nur eine kleine Öffnung hat. Man kann noch so viel Wasser durch den Schlauch schicken, es wird vorne immer nur ganz wenig heauskommen. Das Problem der schlechten Lautsprecher kann man umgehen, indem man das Keyboard einfach an eine Stereoanlage, oder (wenn vorhanden) an das Soundsystems des Computer anschliesst. Man kann das Keyboard natürlich auch direkt an ein kleines aktives Soundsystem anschliessen. Ein kleines, aber durchaus ordentliches 2-Wege-System ist bereits ab 40 Euro erhältlich. Das PSR-E303 so mit vernünftigen Lautsprechern verbunden, lässt dann mit Sicherheit ein PSR-295 ohne zusätzliche Lautsprecher vor Neid erblassen.

Nun meine Tipps:

Wenn Ihr beim Keyboardkauf einen engen Budgetrahmen habt, lasst Euch vom Verkäufer nichts aufschwatzen. Lasst Euch genau erklären, warum Ihr das eine oder andere Feature unbedingt benötigt. Wenn Euch die Argumente nicht überzeugen, lasst es. Von einem guten Händler ist zu erwarten, dass er sein Angebot auf Euer Budget zuschneidet, und nicht umgekehrt. Wenn der Händler meint Euch zu diesem Preis nicht zufrieden stellen zu können, hört Euch eine weitere Meinung an. Denn eines ist sicher: es wird sich immer etwas finden was besser ist. Nur eben in aller Regel auch teurer! Ein Keyboard muss Eure Bedürfnisse treffen, nicht die technischen Möglichkeiten.

Nehmt Euch zum Keyboardkauf einen Kopfhörer mit, oder lasst Euch vom Händler einen geben. Nur mit einem Kopfhörer könnt Ihr wirklich hören was in dem Keyboard steckt. Es muss kein teurer Kopfhörer sein. Ein Walkmanhörer tut es durchaus. Da Keyboards standardmäßig eine 6,3mm Klinkenbuchse zum Anschluss eines Kopfhörers haben, solltet Ihr ggf. einen passenden Adapter bereithalten.

Viele Grüsse,

Bernd

*** Antwort von Heinz 15.022006 18:36

Hallo Bernie,

kann den ein absoluter Neueinsteiger überhaupt noch was alleine machen ohne über den Tisch gezogen zu werden??
Ich bekomme immer einen dicken Hals wenn ich so was lese wenn es sich um die Verkaufs und Preißtaktik der Verkäufer geht. Aber hauptsache Verkaufen egal wie.
Alleine die Preißunterschiede liegen oft 100te von Euro sogar nachweißlich von mir
1000 Euro.Mein Gerät im Otto Katalog 3,299 Euro,, in Köln bei einen Musikfachhandel
2799 Euro und jetz kommt der Hammer...... bei mir im Musikfachgeschäft 2.200Euro mit zuzätzlichen Buch 40Euro und Abdeckhaube 20 Euro macht ein Gewinn von 1060 Euro.

Ich kann da nur jeden Raten, wenn er keinen hat der Ahnung hat, zuerst mal überall die Preise zu vergleichen.
und wenn ich nur 200 Euro habe und nicht mehr ausgeben kann, müßte doch einen guten Verkäufer dies doch klar sein, zumindenst wenn ich dem von vorne rein klar mache, das ich Neueinsteiger bin.
Das andere Thema wäre der ganze schnickschnack an den Geräten, die ja auch noch Teuere sind,
der Neueinsteiger ist mehr mit Einstellungen und Programmieren beschäftigt, als er lernen soll.... der kommt vor lauter blinkenden Lämpchen gar nicht mehr zum spielen, auch dies sollte ein Verkäufer bei einem Einsteiger mal berücksichtigen. Je Teuere die Geräte sind und um so Profihafter,, um so komplizierter sind die in der Handhabung,, klar bei einer Vorführung sieht das so klasse aus,, aber meistens sind das Profis und haben auch noch ein Musikstudium.. siehe die Keyboard Videos Yamaha mal an.. die sollten mal eine Vorführung machen die auf einen Neueinsteiger zugeschnitten ist,und nicht da den Studierten Musiker
rauslassen.

Ich hoffe bin nicht zu weit vom Thema abgekommen
Gruß Heinz

*** Antwort von Bernie_S 15.02.2006 19:44

Hallo Heinz!

In Antwort auf:kann den ein absoluter Neueinsteiger überhaupt noch was alleine machen ohne über den Tisch gezogen zu werden??

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ist es Unwissenheit? Ist es Desinteresse? Oder vielleicht wirklich nur Geldgeilheit? Ich weiß es nicht. Es wird schon was dran sein, dass es "Verkäufer" und nicht "Berater" heisst. Ein perverser Beruf. Einerseits soll man möglichst viel Umsatz machen, andererseits den Kunden ehrlich beraten. In der heutigen Zeit scheint immer öfter vergessen zu werden, dass zufriedene Kunden wiederkommen, und oft sogar noch Bekannte mitbringen. Es zählt vielerorts nur noch die Knete auf der Theke.

In Antwort auf:Ich kann da nur jeden Raten, wenn er keinen hat der Ahnung hat, zuerst mal überall die Preise zu vergleichen.

Wohl dem der Internet hat und sich umfassend informieren kann.

In Antwort auf:Das andere Thema wäre der ganze schnickschnack an den Geräten, die ja auch noch Teuere sind,
der Neueinsteiger ist mehr mit Einstellungen und Programmieren beschäftigt, als er lernen soll.... der kommt vor lauter blinkenden Lämpchen gar nicht mehr zum spielen

Früher spielte Onkel Theo aufm Geburtstag auf dem Schifferklavier Heute stellt sein Neffe Egon das Keyboard auf, und jeder darf sich mal ransetzen. Einer spielt besser als der andere.

In diesem Sinne!

Bernd

*** Antwort von Sönke 02.03.2006 22:26

Zu dem Thema könnte ich noch zwei Erfahrungen beisteuern, die mein Leben bereicherten.
Vorweg ist zu sagen, daß ich der Typ Mensch bin, der sich ein, zwei Monate tiefst gründig informiert. Ist so eine Eigenart von Elektro-Technikern *g*
So trug es sich bei meinem Keyboardkauf vor einiger. Im Grunde wußte ich schon, was ich wollte und klopfte die Keyboardabteilung eines Musikgeschäfts in Kiel ab. Ich sprach von Anfänger, besseres Einsteigerkeyboard, Stilrichtung, meine Zukunftssicht,... Zu meiner Überraschung wollten sie mir doch tatsächlich ein E-Piano für schlappe 2.000€ verkaufen Zitat: "damit lernen sie die Harmonielehre". Uff, dieser Spruch brach nun wirklich alles, was ich bisher gehört habe. Mit einem freundlichen Gruß verließ ich das Geschäft und ward nicht mehr gesehen.

Die letzten beiden Tage begab ich mich auf die Jagd nach Klinkenkabel.
In einem anderen Musikgeschäft in Kiel trug sich folgendes zu: ich fragte nach einem Kabel Stereo 3,5mm Klinke zu zwei 6,3mm Klinke. Der Verkäufer zeigte mir ein 15€ Kabel und erklärte wie tol das sei und das es jeder kaufe. Ich meinte, daß es nur für den Hobbybereich sei und ich kein tonstudio aufziehen wolle. Er meinte weiterhin, daß die vergoldeten Stecker ein Muß sind und überhaupt die lange Lebensfähigkeit. Kommentar von mir: "das Kabel wird nie bewegt noch ausgesteckt!" Erst nach weiterem bohren ließ er sich dazu bewegen in einer Grabbelkiste ein ausgepacktes Kabel für Otto-Normalverbraucher zu finden -> 6,50€ ... geht doch
Am heutigen Tag verlangte es mich nach einem zweiten Kabel ähnlicher Sorte. Diesmal war ich in Neumünster unterwegs. Das Musikgeschäft wollte mir zwei Monokabel Cinch -> Klinke für 20€ verkaufen. Natürlich vergoldet, Topqualität blabla... mein Einwand, daß es sich um Hobby handelt, wurde übergangen. Entnervt verließ ich das Geschäft. Meine Wege führten mich zu bekannten medialen Märkten, die nur Sets bestehend aus Kabel und 5 Adaptern verkauften. Auch nicht das Gelbe vom Ei traurig
Letzter Halt: Baumarkt - Elektro/Audioabteilung
Ich schaute mir das Sortiment an, fand aber kein entsprechendes Kabel. Mir schwebte die Notlösung des selbermachens durch den Kopf. Doch da wurde ich von einer Verkäuferin angesprochen.
sie: "kann ich ihnen helfen?"
ich: "ja, ich suche Klinkenstecker"
sie:
ich: "6,3mm Klinkenstecker... das sind die..."
sie unterbricht mich: "fragen sie bei den Baustoffen nach."
ich: "bitte?"
sie: "den Gang bis zum Ende runter und links"
ich: "nein, ich will keine Klinkersteine (hallo? ich stehe bei den Kabeln und suche nach Steinen??). Ich will Klinkenstecker."
sie: "ich weiß nicht, was sie wollen"
....
das Ende vom Lied war, daß ich sie doch noch gefunden hatte und sie dann wußte was Klinkenstecker sind. Und nun halte ich mein selbstgemachtes Kabel in der Hand, welches wesentlich billiger ist als 20€


==> dumme Dreistigkeit wird von mir nicht entlohnt!

und wie Bernie schon sagte, irgendwie ist bei den Verkäufern noch nicht angekommen, daß ein faires Geschäft, sprich Beratung, Kunden zu frieden stellt und weitere anlockt.