Keyboard oder E-Piano? 
von Thorsten F. - Mittwoch, 3 November 2010, 15:01
Hallo Bernd,

ich bin zur Zeit mitten in meinem Maschinenbaustudium. Da dies, wenn man es erfolgreich absolvieren will, viel Zeit kostet und man auch terminlich nicht so flexibel ist, habe ich mich auf die Suche nach einem Selbstlernkurs gemacht. Dabei habe ich deine Seite gefunden, deren Angebot ich sehr interessant finde.
Es gilt nur zu Beginn folgendes Problem zu lösen. Den Anstoß Keyboard/E-Piano/Klavier spielen zu wollen hat die Musik von Elton John gegeben. Mein Ziel ist es, später einmal passabel das eine oder andere Lied von ihm spielen zu können. Ich brauche eigentlich nicht so einen Schnickschnack wie Polyphony. Ich möchte eigentlich nur in Richtung Klavierklang arbeiten. ABER: zu einem Preis von maximal 350€, es darf keinen Krach machen (ich wohne zur Miete) also über Kopfhörer. Das führt mich meinen Recherchen nach zu einem E-Piano. Aber wie ich in deinen Foren hier bereits gelesen habe, bist du nicht gerade ein Verfechter, dass man Keyboard lernen soll, wenn man eigentlich Klavier/E-Piano spielen will. Nur habe ich nicht die flexible Zeit mich in einen Klavierkurs zu setzen.
Zusammengefasst bleiben für mich folgende Fragen:
- warum nicht Keyboard lernen, wenn man evtl. später auf Klavier umsteigen will?
- gilt das auch fürs E-Piano, oder ist dies vielmehr ein Kompromiss?
- macht es Sinn, bei dem was ich machen möchte, dein Angebot zu nutzen (ich würde dies sehr gerne tun)
- wenn ja zu welchem Gerät würdest du mir raten (E-Piano, Keyboard?)

Vielen Dank schon mal für die Antwort

Gruß

Thorsten
Re: Keyboard oder E-Piano? 
von Bernd G S. - Mittwoch, 3 November 2010, 16:23
Hallo Thorsten,

zu deinen Fragen:

1. warum nicht Keyboard lernen, wenn man evtl. später auf Klavier umsteigen will?

Weil du dir mit den leichten Tasten eines Keyboards den Anschlag versaust. Du wirst später nur sehr schwer mit den wesentlich schwereren Tasten eines Klaviers zurecht kommen. Außerdem verkümmert deine linke Hand. Beim Keyboard lernen wir zunächst nur Akkorde zu greifen. Beim Klavier spielt die linke Hand aktiv mit. Einen echten Umstieg vom Keyboard aufs Klavier schaffen nur wenige. Ich selbst komme von der Orgel. Ich kann zwar auch Klavier spielen, bin aber meilenweit davon entfernt es mit einem ausgebildeten Pianisten aufzunehmen.

2. gilt das auch fürs E-Piano, oder ist dies vielmehr ein Kompromiss?

Ein E-Piano ist nichts anderes als ein Klavier, welches die Töne nicht mechanisch, sondern elektronisch erzeugt. Insofern gibt es keinen Unterschied zu einem echten Klavier, sofern die Tastatur in Ordnung ist (Hammermechanik).

3. macht es Sinn, bei dem was ich machen möchte, dein Angebot zu nutzen (ich würde dies sehr gerne tun)

Natürlich kann man auch auf dem Keyboard Stücke von Elton John spielen. Aber halt eben anders als man es auf einem Klavier tut. Einen Vorteil hat das Keyboard allerdings. Man erlernt es einigermaßen zu spielen wesentlich schneller als Klavier.

4. wenn ja zu welchem Gerät würdest du mir raten (E-Piano, Keyboard?)

Unabhängig von deiner Entscheidung gilt für dich das in diesem Beitrag geschriebene

http://keyboardschool24.de/mod/forum/discuss.php?d=350

Bei einem Limit von 350 Euro gibt es noch nicht all zu viel Auswahl.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen.

Musikalische Grüße

Bernd


Re: Keyboard oder E-Piano? 
von Thorsten F. - Donnerstag, 4 November 2010, 09:51
Hallo nochmal,

also erst einmal vielen Dank für die schnelle Beantwortung meiner Fragen. Das wichtigste ist bereits geklärt: Du hast mich überzeugt Keyboard zu lernen und nicht Klavier. Bei meiner Zeitproblematik und für das, was ich damit machen will reicht mir das aus.

Ich muss aber dennoch noch einmal nachhaken, was den Beitrag betrifft, den du als Link hinein gestellt hattest. Sollte man da eher auf das Yamaha Keyboard gehen oder auf das von dir angezeigte E-Piano? Du sagtest ja dass dies im Prinzip einem Klavier entspricht. Mir geht es ja nur um den Klang. Ich brauche wie gesagt nicht 150 verschiedene Instrumente spielen können, sondern primär Klavierklang. Aus dem Artikel habe ich keine wirkliche Schlussfolgerung herauslesen können.

Danke nochmal

Grüße

Thorsten
Re: Keyboard oder E-Piano? 
von Bernd G S. - Donnerstag, 4 November 2010, 11:23
Hallo Thorsten,

wenn du dich entscheidest Keyboard zu lernen, dann solltest du auch ein Keyboard kaufen. Mag sein, dass du primär Klavierklänge spielen möchtest, aber wenigstens deine Begleitband (die Styles im Keyboard) braucht einige der 150 Instrumente, sonst hört sich alles recht fade an.

Mit dem Yamaha fährst du ganz gut.

Grüße

Bernd
Re: Keyboard oder E-Piano? 
von Thorsten F. - Donnerstag, 4 November 2010, 12:59
Hallo Bernd,

Vielen Dank. Ich vertraue da ganz auf dein Wissen und werde schauen wo ich das Yamaha günstig bekommen kann. Sobald ich das habe, werde ich dann mal deine Demo ausprobieren und danach hast du höchstwahrscheinlich einen neuen Kunden lächelnd

Grüße

Thorsten
Re: Keyboard oder E-Piano? 
von Achim D. - Freitag, 5 November 2010, 00:03
Hallo Bernd,

seit insgesamt 5 Jahren spiele ich jetzt Keyboard, 1 Jahr davon Klavier und habe seit 2 Monaten Klavierunterricht bei einem Klavierlehrer.

zu 1. Warum soll die linke Hand verkümmern, wenn noch gar kein Instrument gespielt/erlernt worden ist? An die "schweren Tasten" habe ich mich relativ schnell gewöhnt. War anfangs ein seltsames Gefühl. Doch mittlerweile kommen mir die Keyboard-Tasten wie billiges Plastik vor. Vorteil: Ich kann jetzt auf dem Keyboard wesentlich schneller spielen als zuvor; 16-tel bei hohem Tempo sind kein Problem mehr.
zu 2. Bei meinem Stage-Piano sind neben den Klavierklängen noch sämtliche andere Instrumente, die man vom Keyboard kennt, mit Begleitautomatik etc. vorhanden. Ob man es braucht, sei dahin gestellt. Wirklich gut klingen sie auch nicht. Aber wenn man sie braucht, kann man darauf zurückgreifen.
zu3. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so spielen möchte wie Elton John... dann müsste er auch zu seinem Spiel singen. Ich denke eher, er möcht "Solo-Piano" spielen (Melodie mit rechts, Begleitung mit links). Wobei ihm das Keyboard dann natürlich als einfachere Variante entgegenkommt.

Das Keyboard hat mir eine Menge beigebracht - insbesondere die Fähigkeit "Rhythmusfest" zu sein. Mein Klavierlehrer spielt in meine Übungsstücke immer "improvisierende Instrumente" rein - irgendein Zeug, was mit der eigentlichen Melodie nichts zu tun hat, aber irgendwie toll zum Lied passt. Für einen Anfänger bestimmt der absolute Horror. Mir macht es aber nichts aus. Ich lasse mich dadurch nicht aus dem Takt bringen. Ein weiterer großer Vorteil, wenn man mit dem Keyboard angefangen hat.

Klavierspielen ist nicht einfach, mir macht es großen Spaß und ich hoffe, dass mir der Umstieg vom Keyboard doch gelingt. Den Anspruch ein zweiter Lang Lang zu werden (vom spielerischen Können) wäre zwar schön, habe ich aber nicht.

Gruß
Achim

Re: Keyboard oder E-Piano? 
von Bernd G S. - Freitag, 5 November 2010, 08:55
Hallo Achim,

schön dich wieder mal zu lesen!

Es ist alles relativ - aber - ganz sicher muss jemand der vom Keyboard kommt hart arbeiten um einigermaßen Klavier spielen zu können. Er muss quasi ein Instrument neu lernen. Ein Pianist wird aber kaum Schwierigkeiten haben plötzlich Keyboard zu spielen.

Es ist vielleicht auch eine Frage der Literatur die es für´s Keyboard gibt.

Ich bin in meinem neuen Aufbaukurs dazu übergegangen mit Noten im Bassschlüssel zu arbeiten. Dies bringt enorme Vorteile. So kann ich wunderbar die Akkordführung und die Sinnhaftigkeit von Akkordumkehrungen darstellen. Und irgendwie bin ich zuversichtlich, das wird aber erst die Praxis zeigen, dass am Ende des Kurses, weil er sich über Monate hinweg intensiv mit seiner linken Hand beschäftigen musste, der Schüler in der Lage sein wird auch Klavier- und Orgelstücke spielen zu können.

Wir werden sehen ob es mir gelingt. Aber irgendwie sollte die Kluft, die zwischen Keyboard und Piano besteht, etwas geschlossen werden.

Grüße

Bernd