Bindebögen 
von Achim D. - Montag, 30 Juli 2007, 15:09

Hallo Bernd,

bei manchen Stücken fallen mir Bögen in den Noten auf. Z.B.: 1/8 c2 und direkt dahinter eine 1/4 h1, über beiden Noten ist ein Bogen eingetragen. Wenn die jetzt andersrum stehen würden, dann würde die 1/8 kurz (staccato) gespielt, richtig? Aber es macht doch keinen Sinn die 1/4 kurz zu spielen. Was bedeutet der Bogen? Wie muss ich das spielen?

Gruß Achim

Re: Bindebögen 
von Bernd G S. - Montag, 30 Juli 2007, 15:54
Nein Achim,

mit staccato hat dies überhaupt nichts zu tun. Staccato wird in der Notenschrift dadurch dargestellt, dass die staccato zu spielende Note einen Punkt über der Note erhält.

Der Bindebogen über zwei oder mehr aufeinander folgenden Noten unterschiedlicher Höhe definiert das sogenannte legato. Beim legato fließen die, durch die Legation (also Bindebogen) verbundenen Töne, in einem Spielfluß ineinander. Phonetisch dargestellt bedeutet das in etwa folgendes:

fünf Noten, ohne Bindebogen hören sich normalerweise so an: da-da-da-da-da

mit Bindebogen: da-a-a-a-a

Es soll also, außer dem ersten am Beginn des Legato, kein wahrnehmbarer Anschlag zwischen den Noten zu hören sein.

Gruß Bernd
Re: Bindebögen 
von Achim D. - Montag, 30 Juli 2007, 16:11

Doch Bernd,

ich habe das in einem Buch gelesen:

Menuett von J.S. Bach
"... Wenn zwei unterschiedliche Noten durch einen Bogen verbunden werden, so wird die letzte dieser Noten ebenfalls kurz gespielt."

Beispiel: 3/4 Takt, Note d2 1/4 und Note g1 1/4, beide mit einem Bogen verbunden.

Legatobogen: Ich dachte, ich spiele immer legato, wenn es nicht anders notiert ist. überrascht Dein Beispiel ist schon verständlich. Aber wie soll ich das machen? Die Finger schneller bewegen?

 

Re: Bindebögen 
von Heinz K. - Montag, 30 Juli 2007, 16:39

Hallo Achim,

doch da hat Bernd absulut recht.

Menuett von J.S. Bach
"... Wenn zwei unterschiedliche Noten durch einen Bogen verbunden werden, so wird die letzte dieser Noten ebenfalls kurz gespielt."

Wenn 2 verschiedene Noten durch ein Bindebogen Notiert ist, wird zwar die letzte Note auch gespielt, aber so das mein kein Anschlag hört.

die erste und letzt Note fließen praktisch ineinander, so als wenn du mit einem Atemzug ohne luft zu holen 2 verschiedene Noten singst aber der übergang ist nicht zu hören.

Gruß Heinz

 

Re: Bindebögen 
von Bernd G S. - Montag, 30 Juli 2007, 17:57
Hm Achim,

mit der von dir zitieren Erklärung kann ich nichts anfangen. Ich weiß nicht, was damit gemeint sein soll.

Ich habe eben in der Kürze der Zeit versucht ein Beispiel zu basteln. Hier ein Ausschnitt aus "Fuchs du hast die Gans gestohlen"

normal    

staccato    

legato    

Ich hoffe, der Unterschied ist hörbar.

Spieltechnisch bedeutet dies beim Keyboard - die vorige Taste wird erst los gelassen in dem Moment wenn die nächste angespielt ist. Beim Streichinstrument - alle Noten werden mit dem Bogen in eine Richtung gestrichen. Beim Blasinstrument - alle Noten werden mit einem Atemzug geblasen.

Gruß Bernd

Re: Bindebögen 
von Achim D. - Dienstag, 31 Juli 2007, 13:39

Hallo Bernd,

ich meinte das so:

Bogen betont, unbetont

Die Überschrift aus dem Kapitel lautet: Wir spielen Klavier
Das Beispiel ist aus der Keyboardschule von Karsten Sahling (AMA-Verlag). In dem Kapitel wird die Vorschlagsnote, Staccato und eben dieser Bogen erklärt. (Ich hoffe, ich verstoße jetzt nicht gegen irgendwelche Rechte... daher die Quellenangabe - wenn doch, dann lösche bitte das Bild).

Bei deinen Beispielen ist der Unterschied deutlich hörbar. Die Legato-Technik, die du beschreibst, ist aber nicht so einfach zu spielen. Ich denke, dass muss speziell geübt werden. Könntest du noch ein Beispiel für portato hochladen?

Gruß Achim

 

Re: Bindebögen 
von Bernd G S. - Dienstag, 31 Juli 2007, 16:04
Hallo Achim,

ich denke das Bild mit Quellenangabe geht in Ordnung. Jetzt ist mir auch klarer was gemeint ist. Das g ist Teil des legato vom d. Es fließt quasi aus dem d und wirkt deshalb kürzer, aber unbetont.

In der Tat erfordern die Dynamik- und Artikulationstechniken sehr viel Übung. Im Gegensatz zu meiner sonstigen Auffassung bin ich hier der Meinung, dass ein Keyboardschüler, der diese Techniken erlernen möchte, sich unbedingt einmal an eine echte Klaviertastatur setzen sollte. Dadurch, dass die Klaviertaste, samt Mechanik, wesentlich schwerer ist als die eines Heimkeyboards, muss dort eben tatsächlich etwas bewegt werden. Beim Staccato den Hammer sofort wieder fallen lassen, nachdem der Ton erklingt, beim Legato den Ton mehr aus dem Instrument herausstreichen als schlagen, sind Techniken, die man besser einmal tatsächlich erfährt und nicht nur imitiert. Man braucht am elektronischen Keyboard doch sehr viel Fantasie, um sich dies Vorstellen zu können. Hat man es aber einmal an einem echten Klavier gemacht, dann lässt sich dies auch am Keyboard leichter umsetzen.

Hier noch das gewünschte portato    

Musikalische Grüße

Bernd