Keyboard lernen - Häufig gemachte Fehler - Zu schnelles Vorgehen 
von Bernd G S. - Mittwoch, 4 April 2007, 12:45
Dies ist die Fortsetzung einer kleinen Reihe von Beiträgen, die für alle diejenigen interessant sein dürfte, die Keyboard spielen lernen. Im Besonderen aber für alle, die im Selbststudium Keyboard lernen. In dieser Reihe berichte ich von meinen Erfahrungen mit Keyboardschülern und deren häufigsten typische Fehler beim Keyboard lernen. Ich hoffe damit vielen zu helfen, genau diese Fehler nicht zu machen, bzw. sich solche Fehler ganz schnell wieder abzugewöhnen.

2. Beim Keyboard lernen zu schnell vorgehen



Es ist natürlich verständlich, dass ein Keyboardschüler möglichst schnell zum Ziel gelangen möchte. Dennoch birgt zu schnelles Vorgehen große Gefahren, wenn es darum geht ein neues Lied ein zu studieren. Verschleppte Fehler sind mit das tückigste beim Keyboard lernen. Es erfordert zig-mal mehr Zeit und Anstrengung, einen "einstudierten" Fehler wieder los zu bekommen, als sich von vorn herein die Zeit zu nehmen, einen Fehler erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Typischerweise beginnt man am Keyboard ein neues Lied zu lernen damit, die Melodielinie des Stückes ein zu üben. Ist das Tempo des Liedes relativ schnell, oder ist der Fingersatz etwas anspruchsvoller, muss man dies in besonders langsamen Tempo tun. Schon hier liegt die erste Falle für einen Keyboardschüler. Oft wird versucht, das neue Musikstück gleich im Originaltempo zu spielen. Dazu besteht überhaupt kein Anlass. Ein Stück lernen, und ein Stück spielen sind zwei unterschiedliche Dinge. Zuerst muss ein Stück gelernt werden, bevor man es spielen kann. In der englischen Sprache steht "lernen" auch für "erfahren". Und genau dies trifft es auf den Punkt. Man muss etwas erfahren um es aufnehmen zu können. Ich möchte dies anhand eines Beispiels verdeutlichen:

wenn man mit dem Auto, bei Tempo 200 eine Straße entlang rast, bekommt man von seiner Umgebung wenig mit, weil alles viel zu schnell wieder weg ist. Man kann seine Umgebung also nicht erfahren. Befährt man die selbe Straße gemächlich, hat man genügend Zeit seine Umgebung wahrzunehmen. Wenn man das nächste Mal auf der Straße wieder mit 200 Sachen fährt, weiß man trotzdem genau, wo was zu sehen wäre, denn man hat es ja zuvor erfahren. Und genau so verhält es sich beim Keyboard lernen. Ein neues Lied muss zuerst erfahren werden, bevor man es spielen kann.

Ein weiterer typischer Fehler tritt dann auf, wenn der Keyboardschüler an eine Stelle des Musikstückes kommt, wo etwas nicht richtig klappt. Meist spielt er trotzdem einfach weiter. Wahrscheinlich in der Absicht, es beim nächsten mal richtig zu machen. Das funktioniert aber in den seltensten Fällen. Denn meist hat man die Stelle bis zum nächsten Durchgang bereits wieder vergessen, oder es kommen während des Stückes noch weitere Stellen mit Schwierigkeiten hinzu. Normalerweise treten dann die selben Schwierigkeiten jedesmal wieder auf, und wieder und wieder. Und ehe man sich versieht, hat man genau diese Schwierigkeiten mit einstudiert.

Um dies zu vermeiden hilft nur eins. Sobald eine Stelle kommt die Schwierigkeiten bereitet - STOPP !!! Die selbe Passage noch einmal spielen. Und zwar so lange, bis die Schwierigkeiten beseitigt sind. Dies ist der einzige Weg, der zum Erfolg führt. Alles andere bringt nichts. Wenn eine solche Passage dann bereinigt ist, beginnt man wieder von ganz vorne, um auszutesten, ob es nun wirklich sitzt. Wenn man sich das komplette Stück auf diese Weise Schritt für Schritt erarbeitet, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Man braucht sehr viel Disziplin hierfür. Es hat aber auch niemand behauptet, dass Keyboard lernen ein Kinderspiel sei winken

Erst wenn die Melodielinie des neuen Liedes wirklich sitzt, sollte man sich den Akkorden des Liedes widmen. Zuerst ist zu schauen, ob Akkorde vorkommen, die man noch nicht kennt. Gegebenenfalls sind diese dann natürlich gesondert zu üben. Danach, und das ist noch viel wichtiger, werden alle Akkorde in ihrer Reihenfolge abgespielt. Häufig legen Keyboardschüler gleich drauf los, ohne sich zuvor den Akkorden einzeln zu widmen. Dadurch entsteht das selbe Problem, wie zuvor bei der Melodielinie geschildert. Es hakt und klemmt, und wenn man wieder den Fehler macht darüber hinweg zu spielen, übt man sich genauso auch diese Fehler ein. Also: auch die Akkordlinie muss einzeln geübt werden, bis Sie blind beherrscht wird. Erst dann können linke und rechte Hand gemeinsam spielen.

Erst ganz zum Schluss kommt der Rhythmus hinzu. Auch hier wird häufig der Fehler gemacht, in zu schnellem Tempo los zu legen. Zwar sollte, wenn linke und rechte Hand zuerst getrennt, dann gemeinsam beherrscht werden, der Rhythmus keine große Rolle mehr spielen. Dennoch ist mit Vorsicht an die Sache heran zu gehen. Immerhin treibt der Rhythmus in einem konstanten Tempo durch das Musikstück. Man hat keine Möglichkeit durch zurücknehmen des Tempos besonders knifflige Stellen auszugleichen, wie man es tun kann, wenn man ohne Rhythmus spielt. Deshalb ist das gesamte Tempo so zu wählen, dass damit auch die Stelle eines neuen Liedes, bei der man am unsichersten ist, noch gespielt werden kann. Erst nach und nach steigert man dann das Tempo bis zum originalen.

Wer genau so vorgeht, sollte eigentlich keine Schwierigkeiten mehr haben sich beim Keyboard lernen erfolgreich voran zu arbeiten. Natürlich braucht es hierfür wesentlich mehr Geduld, als einfach drauf los zu spielen. Allerdings sollte, wer ernsthaft und auf lange Sicht erfolgreich Keyboard lernen möchte auch bereit sein, in sich zu investieren. Von nichts kommt eben nichts!

... Reihe wird fortgesetzt

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